State: Germany, 2nd Empire - Weimar Republic
Issuer: Braunschweig, durch einen roten Aufdruck "A. S. R. BR." (Arbeiter- und Soldatenrat Braunschweig) legitimiert, obwohl formell noch das "Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgische Finanzkollegium" als Behörde darauf genannt wird,
Location of issue: Braunschweig
Date of issue: 15.10.1918,
Value: 100 Mark
Size: 180 x 107 mm
Material: paper
Watermark: Sechseckflechwerk
Serial : -
Serial no. : 22782
Signatures: (3)
Printer:
Obv.: … , gekröntes Landeswappen. A.S.R.BR. Arbeiter- und Soldatenrat Braunschweig, steht rechts, links KN 5-stellig, unten entwertet mit Perforation "NICHT GÜLTIG"
Rev.: … , vier allegorische Darstellungen in Quadraten, oben deutscher Soldat und Schmied, darunter; Witwe mit Kind (Sinnbild Trauer) und Skelett mit Schwert und Waage (Sinnbild Tod).
References: Geiger 059.06b .
Die Novemberrevolution in Braunschweig war eine von Arbeitern und Soldaten getragene Erhebung in Braunschweig kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, die am 8. November 1918 zur Abdankung Ernst Augusts, des letzten Herzogs von Braunschweig und bis Mai 1919 zur Umwandlung seines Landes in einen demokratischen Freistaat führte. Angestoßen durch den Kieler Matrosenaufstand war sie Teil der landesweiten Novemberrevolution, die den Sturz der Monarchien im Kaiserreich und seinen Bundesstaaten bewirkte. Wie im gesamten Reich brachte der Aufstand auch für Braunschweig tief greifende politische und soziale Veränderungen mit sich. Die Ereignisse der Jahre 1918/19, die zur Errichtung der parlamentarisch-demokratischen Weimarer Republik führten, hatten nachhaltigen Einfluss auf deren weitere politische Entwicklung.
Gegen Ende des Jahres 1918 bereitete man sich in Braunschweig auf den fünften Kriegswinter vor. Die Versorgung mit Lebensmitteln, wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs und Brennmaterial hatte sich mit jedem weiteren Kriegsjahr zusehends verschlechtert. Auch die sozialen Leistungen der Betriebe waren immer weiter reduziert worden. Der Schwarzhandel blühte. Wie in großen Teilen Europas grassierte die Spanische Grippe auch in Braunschweig und forderte zahlreiche Opfer. In der Endphase des Krieges hatten Mitglieder der „Spartakusgruppe Braunschweig“ unter Führung von August Merges, Mitglied der USPD, ein Netzwerk für Deserteure aufgebaut. Die Negativnachrichten von den Fronten rissen nicht ab, die Verluste stiegen beständig, 15.000 Soldaten des Herzogtums Braunschweig waren bereits gefallen, gegen Ende des Krieges wurde schließlich begonnen, auch die jüngsten einsetzbaren Jahrgänge einzuberufen, während gleichzeitig Tausende von Frontsoldaten – durch das Erlebte z. T. für den Rest ihres Lebens traumatisiert – in eine ungewisse Zukunft zurückkehrten. In der städtischen Arbeiter- und Bürgerschaft brodelte es seit Jahren.
Im Laufe des 6. November 1918 erreichten die ersten Matrosen aus Kiel und Wilhelmshaven kommend Braunschweig und wurden von Merges empfangen. Noch während die Revolutionäre am Abend berieten, kam es zu ersten Unruhen. Am nächsten Tag fand eine Großdemonstration statt, eine große Menschenmenge zog durch die Stadt, das Gefängnis Rennelberg wurde gestürmt und Gefangene befreit, Revolutionäre besetzten den Braunschweiger Bahnhof, die Post sowie die Schlosswache, diverse Amtsgebäude wie das Polizeipräsidium der Polizeidirektion Braunschweig in der Münzstraße, Arbeiter bei Büssing und anderen Fabriken wurden mobilisiert. Tausende standen von der Münzstraße bis zum Hagenmarkt. Fast die gesamte Braunschweiger Garnison lief zu den Aufständischen über. Welfen-Herzog Ernst-August hatte dem Standortältesten die Weisung erteilt, ein Blutvergießen um jeden Preis zu vermeiden. 8. November 1918: Abdankung des Herzogs.
Nach der Abdankung des Herzogs übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die politische Führung, sein Vorsitzender war der „Husar Schütz“ (in Wirklichkeit ein Infanterist und von Beruf Journalist). In Braunschweig verlief der 9. November 1918 verglichen mit Berlin (Abdankung Wilhelms II. und Ausrufung der Republik durch Scheidemann) vergleichsweise ruhig. Der Arbeiter- und Soldatenrat beschloss, in Braunschweig eine „Rote Garde“ nach sowjetischem Vorbild aufzustellen. Sie bestand aus etwas über 1.000 Mann, deren vorrangige Aufgabe, neben der „Verteidigung der Republik“, darin bestand, Recht und Ordnung wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten sowie dafür Sorge zu tragen, dass die in das ehemalige Herzogtum heimkehrenden Frontsoldaten – die von den bis vor kurzem für unmöglich gehaltenen Veränderungen weder etwas wussten noch ahnten – nicht versuchten, den Status quo ante wiederherzustellen. Bereits am 14. November wurde die „Rote Garde“ allerdings in „Volkswehr“ umbenannt, um der bürgerlichen Presse weniger Angriffsfläche zu bieten, zudem machte sich die Garde durch diverse Willkürakte, wie Hausdurchsuchungen und Beschlagnahme von Lebensmitteln bei der Bevölkerung binnen Kurzem ausgesprochen unbeliebt.
Am 10. November 1918 marschierte ein großer Demonstrationszug vom Schloss zum Braunschweigischen Landtag am Eiermarkt, wo eine Alleinregierung der USPD durch den Arbeiter- und Soldatenrat ausgerufen wurde. Die „Sozialistische Republik Braunschweig“ wurde proklamiert und zu ihrem ersten Präsidenten wurde einstimmig August Merges auf Vorschlag von Sepp Oerter gewählt. Der „Rat der Volkskommissare“ hingegen, mit Oerter als Vorsitzendem, übte die tatsächliche Regierungsgewalt aus. Dem Rat gehörten acht „Volkskommissare“ an.
Am 22. Dezember 1918 fanden in Braunschweig Wahlen zum Landesparlament statt – es waren die ersten Wahlen in Deutschland nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches überhaupt. Der Ausgang dieser Wahl war für die USPD allerdings vollkommen unerwartet: Obwohl sie bis dahin die dominierende politische Kraft gewesen war, errang sie lediglich 14 von 60 Sitzen, die MSPD (unter Heinrich Jasper) hingegen 17, die beiden bürgerlichen Parteien, der „Landeswahlverband“ und die Deutsche Volkspartei (DVP), brachten es zusammen auf 29 Sitze. In der Stadt Braunschweig wurde die USPD zwar mit 33,4 % stärkste Partei, blieb aber auch hier insgesamt weit hinter ihren Erwartungen zurück. Trotz des Ergebnisses war der Arbeiter- und Soldatenrat aber nicht gewillt, seine Machtbefugnisse an den neuen, demokratisch gewählten Landtag abzutreten. Man beschloss stattdessen, sich mit Gleichgesinnten zu beraten, um eine eigene Republik zu schaffen und endlich unabhängig von Berlin zu werden.
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin durch Angehörige der Garde-Kavallerie-Schützen-Division am 15. Januar 1919 führte deutschlandweit zu teils bürgerkriegsähnlichen Unruhen, die in einigen Gebieten bis in den Mai andauerten. In Braunschweig demonstrierten am 20. Januar 30.000 Menschen gegen den politischen Doppelmord. Die Lage in der Stadt verschärfte sich daraufhin.
Bei der konstituierenden Sitzung des Braunschweiger Landtages am 10. Februar 1919 trug der Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates, der „Husar Schütz“, das Regierungsprogramm vor und übergab anschließend den Entwurf für eine Verfassung des Landes Braunschweig. Am 22. Februar 1919 wurde eine Koalitionsregierung aus USPD und SPD unter Vorsitz von Sepp Oerter (Kabinett Oerter) gebildet und der Landtag verabschiedete die vorläufige Verfassung, die das Parlament zum Träger aller staatlichen Gewalt bestimmte – somit eine deutliche Entscheidung für die parlamentarische Demokratie zum Ausdruck brachte. Ende Februar wurde der Landtag von Arbeitslosen gestürmt – Präsident Merges musste zurücktreten. Demonstrationen waren mittlerweile in Braunschweig an der Tagesordnung.
Am 4. März 1919 riefen die Spartakisten schließlich die Räterepublik in Braunschweig aus – aber am nächsten Tag wurde dies bereits widerrufen (wodurch das Ansehen der Revolutionäre nicht nur bei der bürgerlichen Braunschweiger Bevölkerung weiter sank). Am 8. März beschlossen USPD und Spartakusbund ihre Vereinigung. Die KPD beschloss am 26. März 1919 ihre Trennung von der SPD.
Anfang April 1919 spitzte sich die Lage in der Stadt dramatisch zu. Die Auffassung der Regierung in Berlin war: „Braunschweig war seit Ende 1918 politisch der ‚Mittelpunkt der kommunistischen Bewegung und der Herd aller Schwierigkeiten für die Durchführung der laufenden Arbeiten der Reichsregierung‘.“ Nachdem Bergarbeiter im Ruhrgebiet in den Streik getreten waren und am 7. April die Münchner Räterepublik ausgerufen worden war, beschlossen Aktionsausschuss, Betriebsausschüsse sowie Vertrauensmänner in Braunschweig am selben Tag einen Generalstreik zur Errichtung einer Räterepublik. Am 9. April 1919 riefen die Spartakisten auf dem Schlossplatz den Generalstreik aus. Ziel des Streiks sollte zum einen der Sturz der Koalitionsregierung in Braunschweig sein, zum anderen die Errichtung einer Räteherrschaft in ganz Deutschland.
Ab dem 11. April 1919 kam das öffentliche Leben in der Stadt zum Erliegen. Der Ton aus Berlin wurde schärfer, woraufhin der Volksbeauftragte Eckardt, dem die „Roten Truppen“ in Braunschweig unterstanden, erklärte, Truppen der Reichsregierung, die versuchen würden, Braunschweig zu besetzen, würden mit Waffengewalt daran gehindert – dem Lande Braunschweig drohte ein Bürgerkrieg.
Da die Reichsregierung diese Situation wirtschaftlich wie politisch als unhaltbaren Zustand empfand, beauftragte Reichswehrminister Gustav Noske den General der Freikorps-Truppen Maercker, Recht und Ordnung in Stadt und Land Braunschweig wiederherzustellen. Am 13. April 1919 verhängte die Reichsregierung den Belagerungszustand über Braunschweig.
17. April 1919: Einmarsch des Freikorps Maercker. Obwohl sowohl Militär als auch Bevölkerung mit erheblichem Widerstand bei der Besetzung der Stadt rechneten, geschah nichts – der Einmarsch vollzog sich vollkommen friedlich und ohne jedes Blutvergießen. Die Soldaten wurden von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt und mit Blumen überschüttet. Binnen weniger Stunden waren sämtliche strategischen Punkte von Freikorps-Soldaten besetzt. Verbindungsstraßen und Bahnlinien wurden durch die braunschweigischen Infanterie-Regimenter 92 und 17 gesichert.
Der Belagerungszustand wurde umgehend durchgesetzt: Volkswehr und Volksmarine wurden aufgelöst und statt ihrer das Jägerbataillon Braunschweig und eine Einwohnerwehr aufgestellt. August Merges war nach Berlin geflohen, während Sepp Oerter in Braunschweig geblieben war. Die Regierung Oerter wurde mit sofortiger Wirkung abgesetzt und der Landesarbeiterrat aufgelöst. Oerter, Eckardt und zahlreiche andere wurden in Schutzhaft genommen. Für Oerter bestand sie allerdings darin, dass er im „Deutschen Haus“ ein Zimmer erhielt. Nach einigen Tagen wurde er wieder freigelassen. Binnen kürzester Zeit war die „öffentliche Ordnung“, so, wie sie die Reichsregierung verstand, wiederhergestellt. Am 30. April 1919 wählte der Braunschweiger Landtag eine neue Regierung, die von einer Koalition aus SPD, USPD und DDP gebildet wurde. Neuer Ministerpräsident wurde Heinrich Jasper.